Die Geschichte um den Prunk-Bowlen-Kump

Der in Herford lebende Kaufmann Engelbert Frieling (Der Name Frieling ist in Oelde sehr bekannt und auch in der Schützengesellschaft taucht der Name des Öfteren auf) stiftete 1926 diesen „Prunk-Bowlen-Kump“. Vermutlich ist der Hintergrund dazu eine Art Wette mit seinen Freunden im Vorstand gewesen: „Wenn Ihr mich zum Schützenfest aus Herford mit dem Auto abholt, dann stifte ich Euch ein großes Bowlengefäß für den Thron.“

Dazu zwei Anmerkungen: Die Reise mit einem Auto 1926 war nur Priviligierten möglich – hier durch die Firma Ramesohl & Schmidt (Vorgänger von der Firma Westfalia, heute GEA) ermöglicht. Zudem war „Bowle“ zu der Zeit das angesagteste Getränk.

Daher wird der messingfarbene, gut 45cm im Durchmesser große Behälter auch gelegentlich als „Thron-Bowlen-Kump“ bezeichnet, da er nur für die elitären Throngesellschaften diente. Auf Grund seiner opulenten Größe aber hat sich das Wort „Prunk“ durchgesetzt.

Auf dem Deckel ist eingraviert: „Ein guter Trunk macht Alte jung“. Auf dem oberen Rand steht geschrieben: „Der Schützengesellschaft gestiftet in alter Treue v. Engelbert Frieling Herford 1926“.

Leider ist irgendwann in den 1980er wohl der Glaseinsatz zerbrochen und so dient der Kump heute nur noch der Zierde. Ist und bleibt aber Ursprung einer seltsam klingenden Geschichte:

 

Erzählt und aufgeschrieben für die Grüne Schützenpost Nr. 4 (1983) von Bernhard Lütkemöller:

Alljährlich wurde in dieser Zeit mit den Autos des Vorstandskollegen Franz Schmidt und der Firma Ramesohl & Schmidt, die auch einen Chauffeur zur Verfügung stellten, ein Tagesausflug gemacht. Mal ging’s ins Sauerland, mal in die Baumberge oder ins Lippische Ländchen.

Eine Fahrt von besonderer Bedeutung war die nach Herford. Der in Herford lebende Kaufmann Engelbert Frieling hatte der Schützengesellschaft unter der Bedingung, dass er vom Vorstand abgeholt würde, einen Prunk-Bowlen-„Kump“ geschenkt.

Die Abholung fand einige Tage vor dem Schützenfest, am 16. August 1926, statt. In drei Autos wurden alle Vorstandsmitglieder „verfrachtet“ und kurz nach Mittag ging’s gen Osten. Als man gegen 16 Uhr in Herford ankam, wurde zunächst eine Tasse Kaffee beim Freunde Engelbert getrunken, dann die Prunk-Bowle besichtigt und anschließend ein kleiner Abstecher nach Bad Salzuflen gemacht. Im Kurhotel wurde abgestiegen, und man ließ sich auf der Terrasse nieder. Für den nötigen Humor sorgte Engelbert Frieling, nachdem sich der dort zur Kur weilende Oelder Gerhard Friedrich Pott noch hinzugesellt hatte. „In diesem frohen Kreise“, so das Protokoll, „wurde die Stimmung für die Ausschmückung des Thrones laut“ und eine Spontan-Spendenaktion mit gutem Erfolg durchgeführt. Nachdem die Herren gegen 22 Uhr Herford wieder erreichten, stiegen sie zunächst noch in einem Hotel ab, wo die Freunde Engelberts schon warteten.

Da der mit der Übernahme der Bowle verbundene Festakt geraume Zeit in Anspruch nahm, konnte die Rückfahrt erst gegen ein Uhr angetreten werden. Oelde erreichte man etwa gegen drei Uhr. „Kurz vor dem Städtchen“, so berichtete „Die Glocke“ später, „verwandelte sich die frohe Stimmung in bitteren Ernst, denn der Vorstand sah in nordöstlicher Richtung den Schein einer großen Feuersbrunst!“ Die Motoren der Autos erhielten Vollgas und in scharfem Tempo ging’s in die Stadt hinein.

Während ein Auto die Straßen durchfuhr und die Bürgerschaft weckte, wurden die beiden anderen zum Chef der Feuerwehr und zum Küster gesteuert. Der Küster zog nicht mit gewohnter Schnelligkeit die Brandglocke, weil ihm einige Zweifel aufstiegen. „Mann Gottes, da ist doch keine Zeit zu verlieren“, redete man ihm zu. Und da in demselben Augenblick das erste Auto über den Marktplatz kam und alle Fahrtteilnehmer aus Leibeskräften „Brand!“ riefen, beeilte sich der Küster nun und ließ die dumpfe, schaurige Stimme der Brandglocke ertönen.

Inzwischen gab die Feuerwehr Signale und die Wehr trat in Bereitschaft. Gerade war die große Spritze fahrbereit gemacht, da traf die beruhigende Nachricht ein „Dat Füer is all out!“

„Was ist das nun eigentlich für ein Brand gewesen?“, fragt „Die Glocke“ in ihrem Artikel weiter.

Nach einer Version erkannten die Vorstandsmitglieder nach erfolgtem Alarm, dass sie das Opfer einer Luftspiegelung geworden waren, wobei die Reflexion der funkelnden, kupfernen Thron-Bowle wenig wahrscheinlich ist.

Die zweite Version ist wahrscheinlicher: Da brannten – vermutlich aus Freude darüber, dass die Wagen nun endlich wieder in Oelde angekommen waren – in Pott’s Holte zwei Kornrichten.

Jedenfalls wurde der, den es angeht, dessen Name aber des Sängers Höflichkeit verschweigt, am Schützenfest durch „Allerhöchste Kabinetts Order“ zum Vereinspyrotechniker ernannt und gleichzeitig wurde dem Thron-Bowlen-Stifter das Patent auf Fernzündung verliehen.

Ein Bild aus einem der digitalisierten Super8-Filme: Rolf Mormann und der noch glänzende Punk-Bowlen-Kump. (1975 im Saal Mühlenkamp)

Die links stehende Geschichte wurde schon sehr detailreich und blumig von unserem ehemaligen Archivar Bernhard Lütkemöller niedergeschrieben. Doch bei der Auflösung des Ganzen wird es dünn bzw. es wird „geschwiegen“. Leider können wir über diese Geschichte keine Zeitzeugen mehr fragen.

Krempeln wir die Geschichte mal von hinten auf:

Auf dem wohl folgenden Schützenfest wurde jemand zum Pyrotechniker ernannt und Engelbert Frieling konnte fernzünden => es muss sich folglich tatsächlich um Feuer gehandelt haben.

1926 gab es noch keine Autobahn, somit sind die drei Wagen über die Landstraße nach Oelde zurückgefahren. Konnte man sie wirklich aus weiter Ferne sehen und dies um 3 Uhr in der Nacht?

Selbst wenn – wer hat auf sie gewartet und zündet dann im Oelder Norden auf dem Feld Kornrichten an, die zuvor mühsam von Hand errichtet wurden?

Auch die Begründung „aus Freude der Rückkehr“ – wie geschrieben – oder eher als Leitfeuer ergibt somit nicht wirklich Sinn!

Fazit: Da müssen wir nochmal genauer recherchieren!